| » Überschwemmungen – Aus dem Kammersteiner Gemeinderat | | Meldung vom: 13.08.2020. | Herausgeber: Gemeinde Kammerstein | Die frühen Morgenstunden des Sonntags, 14. Juni, werden der Bevölkerung von Barthelmesaurach noch lange in Erinnerung bleiben. Vor allem die Straßen Leitenweg und Hirtenberg präsentierten sich als Wasserstraßen, Hohlwege – etwa ein Gemeindeweg bei Mildach – wurden zu Sturzbächen, öffentliche Straßen und Wege unter Geröll begraben. Ein Gewitterregen mit 50 Litern pro Quadratmeter suchte zwischen 6.30 und 7.00 Uhr vor allem die Kammersteiner Ortsteile Barthelmesaurach und Mildach heim. Die vorhandenen Kanäle und Gräben konnten die Fluten nicht mehr fassen. Das Niederschlagswasser floss hangabwärts durch Höfe und Wohnanwesen ab.
Noch am selben Vormittag machte sich der Kammersteiner Bürgermeister Wolfram Göll ein Bild von den Folgen der Überschwemmung in Barthelmesaurach und Mildach. „Es hat mich sehr beeindruckt, wie die gerade Anwohner in Barthelmesaurach zusammengeholfen haben, um den Schlamm gemeinsam wegzuschaufeln. Ein schönes Zeichen des Gemeinsinns! Auch unser Bauhof hat rasch gehandelt und im Bereich Mildach die Kreisstraße vom Geröll frei geräumt“, so Gölls Fazit.
Der Gemeinderat befasste sich in der jüngsten Sitzung mit Lösungsansätzen. Unter anderem hatten die Fraktionen von CSU und SPD Anträge zum Thema Hochwasser gestellt. Als Fachreferent stand Wolfgang Pfrogner vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) dem Gemeinderat Rede und Antwort. Neben Pfrogner berichtete der zweite Bürgermeister Andreas Lippert – seines Zeichens Tiefbauingenieur – von den Hochwasserfolgen in Oberreichenbach und Haag sowie möglichen Maßnahmen. Auch dort hatte es nennenswerte Verschwemmungen gegeben.
Im Bereich Barthelmesaurach, Rudelsdorf und Mildach läuft die Flurbereinigung seit einigen Jahren, wie Wolfgang Pfrogner erklärte. Er zeigte zwei entscheidende Ansatzpunkte auf: Erstens Neuzuschnitt, Neuverteilung und Neuausrichtung der Flurgrundstücke mit teilweiser Drehung der Bewirtschaftungsrichtung sowie zweitens der Neubau von Wegen, Wassergräben und Regenrückhaltebecken – alles im Rahmen der Flurbereinigung. Die Flurneuord¬nung nannte er ein bewährtes und wirksames Instrumentarium, um die Kulturlandschaft nachhaltig zu entwickeln. Auf der Grundlage des Flurbereinigungsgesetzes biete das Amt für Ländliche Ent¬wicklung damit fachliche, organisatorische, rechtliche und finanzielle Hilfen.
Wie ALE-Fachreferent Pfrogner weiter erläuterte, erstellt die Flurbereinigungsbehörde derzeit in einvernehmlicher Absprache mit dem Vorstand der Teilnehmergemeinschaft – also den Grundeigentümern – einen Plan über die gemeinschaftlichen und öffentli¬chen Anlagen. Unter anderem geht es hier auch um Einziehung, Änderung oder Neuausweisung öffentlicher Wege und Straßen sowie über die wasserwirtschaftlichen, bodenverbessernden und landschaftsgestaltenden Anlagen. Dazu wird ein Wege- und Gewässerplan mit landschaftspflegerischem Begleitplan aufgestellt.
In Mildach sollen nördlich des Dorfes – im Bereich des bisherigen Ortsverbindungsweges nach Poppenreuth – zwei weitere Regenrückhaltebecken angelegt werden. Ein sogenanntes Verschlammungsbecken wurde hier bereits gebaut. Zudem ist laut Pfrogner vorgesehen, dass der bisherige Verbindungsweg im Bereich Mildach gänzlich verschwindet. Die Bewirtschaftungsrichtung soll um 90 Grad gedreht werden und künftig in Ost-West-Richtung quer zum Hang erfolgen, so dass das Wasser künftig langsamer abfließt. Ein neuer Wirtschaftsweg wird die landwirtschaftlichen Flächen erschließen.
Im Bereich des Leitenweges knapp oberhalb der Barthelmesauracher Bebauungsgrenze sieht die Flurbereinigung eine zusätzliche Ableitung von Niederschlagswasser und Geröll in ein neues Regenrückhaltebecken vor, das laut Wolfgang Pfrogner spätestens Anfang 2021 auf Gemeindegrund gebaut werden soll – mit einem neuen Ablaufgraben direkt in die Aurach. Weitergehende Maßnahmen am Leitenweg außerorts, die von einzelnen Gemeinderäten vorgeschlagen wurden – etwa eine Asphaltierung – lehnte Pfrogner allerdings ab. Grund: Beim oberen Teil des Leitenwegs handelt es sich um einen Hohlweg mit altem und wertvollem Baumbestand, der weitere Ausbaumaßnahmen nicht zulässt. Weite Teile des Hohlweges sind als Biotop ausgewiesen.
Der größte Teil des Überschwemmungswassers in Barthelmesaurach kam am 14. Juni allerdings – grob gesprochen – von den Fluren oberhalb des Friedhofs. Es sammelte sich dort in den dafür vorgesehenen Gräben und in einem bestehenden Regenrückhaltebecken am Friedhofsparkplatz, floss dann durch ein Verschlammungsbecken oberhalb des alten Feuerwehrhauses am Hirtenberg und eine unterirdische Verrohrung, schoss dann über eine schmale offene Rinne zwischen den Grundstücken zu Tal – wiederum in den Leitenweg, wo das vorhandene 30-Zentimeter-Rohr überlastet war und die Wassermassen nicht aufnehmen konnte.
Folge: Der untere Teil des Leitenwegs wurde überschwemmt, das Wasser brauchte dann etwa zwei Stunden, zum abzufließen. Nach Aussage von Ingenieur Andreas Lippert ist es an dieser Stelle im Leitenweg allerdings unmöglich, ein stärkeres oder tieferliegendes Rohr einzubauen, weil man hier nur noch knapp über dem Niveau der Aurach liege. Bei einem tieferen oder größeren Rohr bestünde daher die Gefahr, dass bei entsprechendem Starkregen und hohem Pegelstand das Wasser der Aurach den Abfluss gänzlich blockiere oder sogar in den Leitenweg zurückdränge.
Im Wesentlichen stamme die Belastung aus Niederschlagswasser bei Starkregen von landwirtschaftlichen Flächen, wie ALE-Experte Wolfgang Pfrogner weiter ausführte. Von diesen Flächen fließe das Niederschlagwasser in der Regel sehr schnell ab. Auch hier biete das Amt für ländliche Entwicklung Lösungsmöglichkeiten und Unterstützung an – und zwar mit dem bayerischen Förderprogramm „Boden-Ständig“. Dessen Ziel ist es, Maßnahmen zum Bodenschutz auf landwirtschaftlichen Nutzflächen mit Maßnahmen zum Gewässer¬schutz und zum Rückhalt von Wasser- und Erdreich zu kombinieren – auf der Basis einer Analyse der Land¬schaftsstruktur eines kompletten Teil-/Einzugsgebietes.
Konkret bedeutet das für den Be¬reich der landwirtschaftlichen Nutzflächen Bodenerosion zu minimieren und Wasserrück¬halt zu maximieren. Im Bereich der Landschaftsstruktur werden zusätzlich Puffersysteme und Land¬schaftselemente geschaffen, um die Einträge in Gewässer zu verringern und die Abflussmengen bei größeren Niederschlagsereignissen zu bremsen. So plant das ALE in den Fluren rund um Barthelmesaurach, Mildach und Rudelsdorf eine Fülle weiterer Gräben und Rückhaltebecken.
Auch für den Bereich der Ge¬wässer gilt es, den Wasserabfluss gleichmäßiger zu machen, die Grundwasserbildung zu fördern so¬wie die Selbstreinigungskräfte zu verbessern. Diesen Vorschlägen wird nach dem Wunsch des Gemeinderates auch weiter nachgegangen. Ziel ist, über dieses Verfahren in Gesprächen mit den Landwirten eine Entspannung der Situation zu erreichen. Ein positiver Nebeneffekt wäre dann auch die Sicherung der vorhandenen Wege. Diese werden bei Starkregen durch schnell abfließendes Wasser immer weiter ausgespült. Die ausgeschwemmten und mitgeführten Schotteranteile lagern sich in den Einläufen ab, so dass die vorgesehene Ableitung in die Aurach behindert wird.
Zweiter Bürgermeister Andreas Lippert zeigte die Situation an weiteren gefährdeten Bereichen auf. So bestehen speziell in Haag und Oberreichenbach weitere Hanglagen, deren Niederschlagswasser über bebaute Gebiete in das nächstgelegene Gewässer fließen. Auch dabei sind bei extremen Starkregen-Ereignissen Überflutungen im bebauten Bereich zu beklagen. Allerdings sind die Mittel der Gemeinde selbst beim besten Willen begrenzt, für alle Starkregen-Fälle Vorsorge zu treffen.




(Fotos: Roberto Croci)
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