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» P53-Gespräch in Kammerstein: MdBs Frieser und Brehm, MdL Bauer und 6 Bürgermeister
Meldung vom: 08.12.2020.Herausgeber: Gemeinde Kammerstein
„Zur Notwendigkeit gibt es weiterhin offene Fragen“

Der Nürnberger Bundestagsabgeordnete Michael Frieser ist im Hinblick auf die bisher zugänglichen Berechnungs- und Planungsdetails nicht restlos überzeugt, dass es den Neubau der Höchstspannungsleitung P53 in der beabsichtigten Form für die Versorgungssicherheit in Bayern braucht. „Die Kommunikation muss sich verbessern. Es ist nicht mehr zeitgemäß, dass die Berechnungsgrundlage der Bundesnetzagentur für die Betroffenen vor Ort nicht nachvollziehbar ist“, forderte der Bundestagsabgeordnete.
„Wenn die Basis, auf der entschieden wird, nicht einsehbar ist, ist der ganze Diskussionsprozess von vornherein vergiftet“, kritisierte Frieser bei einem Gespräch mit sechs Bürgermeistern aus dem nördlichen Landkreis Roth in Kammerstein. Michael Frieser ist Justiziar der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Nürnberg-Süd/Schwabach und Bezirksvorsitzender der CSU Nürnberg-Fürth-Schwabach.

P53 ist überflüssig

An dem Gespräch nahmen auch Friesers Bundestags-Kollege Sebastian Brehm (Nürnberg-Nord) und der Kammersteiner Landtagsabgeordnete Volker Bauer teil, zudem der Kammersteiner Bürgermeister Wolfram Göll als Gastgeber sowie die Bürgermeister Felix Fröhlich (Rohr), Helmut Bauz (Büchenbach), Jürgen Spahl (Rednitzhembach), Robert Pfann (Schwanstetten) und Ralph Edelhäußer (Roth). Die Politiker aus dem Landkreis Roth haben sich erneut gemeinsam klar gegen den Neubau der P53 positioniert.

Bürgermeister Wolfram Göll, der das Treffen im Kammersteiner Bürgerhaus organisiert hatte, formulierte ebenfalls massive Zweifel an der Notwendigkeit der geplanten 380-kV-Leitung: „In einer Prognose-Graphik der Bundesnetzagentur, mit der Tennet selbst argumentiert, ist für das Jahr 2030 keine Leitung in ganz Mittelfranken als überlastet eingezeichnet – und das ohne den P53-Neubau.“ Nennenswerte Überlastungen würden lediglich ganz im Norden Ober- und Unterfrankens sowie in Nieder- und Oberbayern prognostiziert. „Und für eine nicht notwendige Leitung unsere schöne Landschaft, unsere Schutzgebiete und unseren wertvollen Wald zu opfern, das sehe ich nicht ein.“ Göll forderte stattdessen den Ausbau der dezentralen regionalen Energieversorgung und der Energiespeicher, um die Wertschöpfung in der Region zu halten.

Planungs-Grundlage wird unter Verschluss gehalten

„Die Verhältnismäßigkeit der P53 ist sehr, sehr fraglich“, betonte auch der Kammersteiner Landtagsabgeordnete Volker Bauer. „Die Eingriffe in die Natur wären massiv, die Leitung wäre ein brutaler Einschnitt, 13 Kilometer quer durch FFH-Gebiete, Naturschutzgebiete und Bannwald.“ Seiner Ansicht nach wäre statt eines Neubaus die Ertüchtigung der bestehenden Leitung mit neuen Masten in derselben Größe und einem erhöhten Leitungsquerschnitt technisch völlig ausreichend, sagte der gelernte Elektrotechniker Volker Bauer. Eine Ertüchtigung der Bestandsleitung bräuchte gar keine neue Planung. Bürgermeister Robert Pfann aus Schwanstetten kritisierte, dass bei den Plänen der Trassenausbau offenbar Präferenz habe gegen dezentraler Energieerzeugung.

Der Rohrer Bürgermeister Felix Fröhlich hatte die Runde zuvor in die Thematik eingeführt. „Wir wollen nicht das St.-Florians-Prinzip, wir sagen gerade nicht: Baut das in Schwabach und Nürnberg. Sondern wir sagen: Baut es überhaupt nicht“, betonte Fröhlich. Auch er kritisierte, dass die netztechnische Grundlage, die die Notwendigkeit des Neubaus nachweisen müsse, den Bürgermeistern und anderen Politikern nicht zugänglich sei. Fröhlich betonte, für alle Planungen gelte der Vorbelastungs-Grundsatz, dem zufolge bei Ersatz-Neubauten keine neuen Befindlichkeiten zu verursachen seien. Die betroffenen Gemeinden und Bürger hätten überhaupt nichts von dem geplanten Neubau, allerdings hätten Menschen und Natur die Schäden zu tragen.

Sind die Bürger wirklich zu blöd?

„Ihr seid zu blöd, um das zu verstehen“, übersetzte der Büchenbacher Bürgermeister Helmut Bauz die Aussage der Planer, den Politkern fehle „der fachliche Zugang“, um die unter Verschluss gehaltene Studie zur Notwendigkeit einzusehen. „Dieses Verfahren ist super-intransparent. Die Planungsgrundlagen müssen auf den Tisch, wir fordern Transparenz.“ Die geplante Erhöhung von 220 auf 380 kV mit mehreren zusätzlichen Leitungen nannte Bauz im Endeffekt „eine exponentielle Erhöhung“ der durchzuleitenden Strommenge und verglich diese Planung mit einer „20-spurigen Autobahn“. Wenn man nicht aufpasse, werde „bald der Strom im Ausland produziert und billig nach Deutschland geleitet“, warnte Helmut Bauz.

P53-Gespräch in Kammerstein: MdBs Frieser und Brehm, MdL Bauer und 6 Bürgermeister

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